Schule trifft Wirtschaft: Abiturienten des Osterlandgymnasiums unterwegs bei acht Arbeitgebern

Manfred von Ardenne. Den Namen hat der eine oder andere schon mal gehört, genau wie Werner von Siemens. Sie waren beide große Erfinder. Physikinteressierte Schüler wissen mit den Namen natürlich etwas anzufangen. Eckhard Oertel hält sich nicht ewig mit der geschichtlichen Entwicklung auf. Und doch verdeutlichen seine Ausflüge in die letzten beiden Jahrhunderte und vor allem in die jüngsten Jahrzehnte die rasante Entwicklung in der Elektrotechnik und der Elektronik. Oertel ist Inhaber der LFG-Eckhard Oertel e.K. Leiterplatten – Feinmechanik – Geräte. Zu Gast hat er heute (01. Juni 2017) neun Schüler plus Lehrerin vom Osterlandgymnasium im Rahmen der Aktion „Schule trifft Wirtschaft“.

Die Zehntklässler staunen nicht schlecht, als Oertel bemerkt, dass diese unhandlichen

Röhren nach wie vor in hoch qualitativen Verstärkern - eingesetzt bei Rockkonzerten - verwendet werden. Die Röhren sind aber nicht Oertels Metier.

Er möchte mit diesem Beispiel veranschaulichen, wie sich die Bauteilgrößen in den vergangenen Jahren verändert haben. Wenn auch vielleicht unbewusst, bekommen die Schüler doch selbst die dynamische Entwicklung der Elektronikbranche mit. Handys mit all ihren heutigen Möglichkeiten waren vor Jahren noch undenkbar.

Apropos Handy. Das „Innenleben“ ist Oertels Metier. Und jetzt kommt das große „Aber“. Nein! Leiterplatten und elektronische Baugruppen in millionenfacher Auflage werden in der Geraer Keplerstraße nicht gefertigt. Das geschieht in Fernost. Wer hingegen eine Leiterplatte beziehungsweise eine bestückte Platine ab einer Auflage von einem Stück bis hin zu Kleinserien benötigt, und das dazu in kürzester Zeit, ist bei der LFG an der richtigen Adresse. Dabei ist das im Mai 1992 gegründete Unternehmen das einzige in Deutschland, das die Leiterplatten- und Baugruppenherstellung unter einem Dach vereint. 3,16 Millionen Euro Umsatz wurden im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Die Mitarbeiterzahl ist von anfänglichen vier auf 50 gewachsen. Darunter sechs Azubis und zwei Studenten.

Letzteres ist genau der Grund, warum Eckard Oertel die Gymnasiasten – gekleidet in ESD-Schutzkittel, die Komponenten vor elektrostatischer Entladung schützt - heute durch seine Produktionsräume führt. Er ist an Nachwuchs interessiert. Ausgebildet werden bei ihm Elektroniker und Industrieelektriker. Die Studiengänge Bachelor of Engineering und Bachelor of Science in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Gera-Eisenach seien nach seiner Auskunft zwar sehr intensiv, dafür garantiert Oertel den Einsatz nach erfolgreichem Abschluss in seinem Unternehmen.

Schüler sämtlicher Bildungsformen haben in den vergangenen vier Jahren die Möglichkeit genutzt, sich auf diese Art und Weise praxisorientiert in Unternehmen und Institutionen über die Berufsausbildung und Studienmöglichkeiten in Gera und dem Landkreis Greiz zu informieren. Betriebsbesichtigungen wurden bislang ebenso angeboten, wie Informationsveranstaltungen an Schulen, Workshops für Lehrer und Fachvorträge für Unternehmen und Lehrer.

Organisiert wurde die Exkursion vom Landkreis Greiz, Schulträger des Osterlandgymnasiums, in enger Zusammenarbeit mit der Geraer Wirtschaftsförderung. Vorab wurden die Zehntklässler befragt, für welche Branchen sie sich interessieren. Danach wurden infrage kommende Unternehmen und Institutionen angesprochen. So konnten sich die 65 Schüler heute entsprechend ihrer Interessen in der LFG-Eckard Oertel e.K., der POG-Präzisionsoptik Gera GmbH, der Sparkasse Gera-Greiz, dem Landgericht Gera, der SRH Waldklinikum Gera GmbH, der GLOBUS Handelshof GmbH & Co. KG, der Raatzconnect Media GmbH und in Korbußen der TRIGIS GeoServices GmbH ein Bild von den Ausbildungsberufen und den Studienmöglichkeiten beziehungsweise den ausbildenden Unternehmen und Institutionen machen.

Fotos:

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Bild_01: Inhaber Eckard Oertel erklärt den Gymnasiasten detailliert die Leiterplattenfertigung. Interessant für die Schüler war auch, dass einige der Produktionsräume gegen UV-Licht geschützt sind, da die auf die Platine aufgebrachten Fotoschichten empfindlich auf UV-Licht reagieren. (Foto: Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

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Bild_02: Der übliche Lötstopplack für Leiterplatten sei grün, erläutert Eckhard Oertel. Es gebe aber durchaus Kunden, die eine individuelle Farbgebung wünschen. (Foto: Stadtverwaltung/Steffen Weiß)

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Bild_03: Die Zehntklässler zeigten sich überrascht, wie wenig Handarbeit in der Baugruppenfertigung bei der Bestückung der Platinen notwendig ist – sie geschieht vollautomatisch durch eine Maschine. Hier erfolgt eine letzte händische Kontrolle vor dem Lötprozess. (Foto: Stadtverwaltung/Steffen Weiß)